Tanganil

Update 14.11.2017

Heilversuche bei Niemann-Pick Typ C und Gangliosidosen mit Acetyl-DL-Leucin an der LMU München

Dr. Tatiana Bremova-Ertl

Zusammenfassung des Vortrags vom 2. Familientreffen der Selbsthilfegruppe Hand in Hand gegen Tay-Sachs und Sandhoff in Deutschland e.V. am 14.10.2017 in Würzburg.

Acetyl-DL-Leucin ist eine leicht veränderte essentielle (lebensnotwendige) Aminosäure, auf dem Markt auch als Tanganil bekannt. Aminosäuren sind Bausteine der Proteine.  Das Medikament ist mittlerweile mehr als 5 Jahrzehnte in Frankreich auf dem Markt und wurde bei akutem Schwindel eingesetzt. Es handelt sich um eine Mischung aus zwei Stereoisomere: D und L.

Das Medikament ist im Allgemeinen nebenwirkungsarm, bis jetzt wurden keine bekannten häufigen bis zu gelegentlichen NW festgestellt.

Der eigentliche Wirkungsmechanismus ist noch unklar. Der Stand der Forschung deutet u.a. auf die Stabilisierung des Membranpotenzials der Nervenzellen hin.

Bei Versuchen in Menschen und Tieren kam es zu sichtbaren positiven  Resultaten.

2013 wurde die erste Studie über die Wirksamkeit dieser Substanz bei Patienten mit fortschreitenden Kleinhirnerkrankungen, einer so genannten degenerativen cerebellären Ataxien publiziert.

Das Medikament hat die Symptome der cerebellären Ataxie gelindert. Bewertet  mit den klinischen neurologischen Skalas hat es zu einer Verbesserung der Lebensqualität geführt:

So verbesserten sich nachweislich die Gangsicherheit und Sprachstörungen und es kam zu einer deutlichen Verminderung von unkoordinierten Bewegungen.

Dr. Tatiana Bremova war selbst im Anschluss an einer Studie mit Patienten, die an Niemann-Pick Typ C leiden beteiligt.

Hier das Design dieser Studie:

Die Ergebnisse lassen sich kurz so zusammenfassen:

Objektiv:

  1. Verbesserung der Feinmotorik, des Zitterns und der Koordination der Hände
  2. Stabileres Stand- und Gangbild mit geringerem Sturzrisiko

Gemessen wurden unter anderem  der Scale for the Assessment and Rating of Ataxia (SARA) und der Spinocerebellar Ataxia Functional Index (SCAFI)

 

Subjektiv: Verbesserung der

  1. Lebensqualität, wie von Eltern beurteilt
  2. Augenfixation („Augen ruhiger geworden“)
  3. Selbständigkeit im Alltag- selber anziehen, waschen, essen
  4. Interaktion mit Betreuern
  • Nebenwirkungen waren 1x vorübergehender Schwindel, der nach einer Weile wieder verschwand. Sonst war es ohne Nebenwirkungen. Somit ergibt sich ein sehr gutes Risiko-Nutzen Verhältnis.

 

Tanganil bei Tay-Sachs und Sandhoff

Seit einem knappen Jahr laufen auch individuelle Heilversuche bei GM1- und GM2-Gangliosidosen (Tay-Sachs und Sandhoff-Erkrankung)

Behandelt werden in München zwei  adulte (Tay-Sachs)  und zwei juvenile (M. Sandhoff) Verlaufsformen.  Auch hier werden bereits erste Verbesserungen sichtbar. (Ataxie, Sprache, Gangbild, Gangsicherheit, etc.)

Außerdem gibt es Versuche mit Sandhoff-Mäusen durch Prof. Frances Platt (Univ. Oxford) unter Mitwirkung von  Prof. Michael Strupp (LMU München). Dabei kam es zu einem späteren Auftreten der Symptome unter einer Therapie mit  Acetyl-DL-Leucin. Im Mausmodell ist zudem eine deutlich reduzierte Ataxie bei behandelten Mäusen zu sehen.

Die Ergebnisse was Acetyl-DL-Leucin genau in den Zellen bewirkt, werden für Mitte  2018 erwartet.

Für 2018 ist eine weitere offizielle Patientenstudie geplant, in die  auch Tay-Sachs und M. Sandhoff eingeschlossen werden. Das Mindestalter der Patienten liegt bei 6 Jahren.

Hier das bisher geplante  Studiendesign:

Patienten, die zuvor schon Tanganil ausprobieren wollen, können dies nach Rücksprache mit ihrem Neurologen/Neuropädiater gerne tun. Der Neurologe sollte sich mit der LMU München in Verbindung setzen (Prof. Strupp, Dr. Bremova oder Marlene Moser).

Michael.Strupp@med.uni-muenchen.de

Tatiana.Bremova@med.uni-muenchen.de

Marlene.Moser@med.uni-muenchen.de

 

Dr. Tatiana Bremova-Ertl bei ihrem Vortrag in Würzburg.

Auf Nachfrage bestätigte Dr. Tatiana Bremova, dass Tanganil durchaus auch bei infantilen Fällen probiert werden kann. Es könnte unter Umständen das Auftreten weiterer Symptome verzögern und bereits vorhandene Symptome lindern.

Wer Interesse daran hat, soll sich ebenfalls mit der LMU München in Verbindung setzen. Das gilt für Patienten innerhalb und außerhalb Deutschlands, wichtig ist nur, dass ein Neurologe die Tests begleitet.

Die Selbsthilfegruppe Hand in Hand gegen Tay-Sachs und Sandhoff in Deutschland e.V. hat die Versuche mit Acety-DL-Leucin von Anfang an konstruktiv begleitet und steht mit den Forschern in engem Austausch.  Gerne stehen wir für weitere Informationen zur Verfügung.

Folker Quack und Birgit Hardt

 

 

 

Compassionate use for Niemann-Pick Type C and Gangliosidosis´ with Acetyl-DL-Leucin at the LMU Munich

Dr. Tatiana Bremova-Ertl
Summary of the talk at the 2.German Family Conference held through Hand in Hand gegen Tay-Sachs und Sandhoff in Deutschland e.V. on the 14th October 2017 in Würzburg, Germany.

Acetyl-DL-Leucin is a slightly modified essential amino acid, known by the brand name Tanganil. Amino acids are parts of proteins. The drug is available in France for more than five decades now and was prescribed against dizziness. It is a mixture of two stereoisomere: D and L.

The drug has nearly no side effects, until now no frequently or occasionally side effects were recognised.

The actual mechanism of action is still unclear. The state of research indicates that, among other things, there is a stabilisation of membranes of the nerve cells.

In studies with humans and animals we achieved positive visible results.

In 2013 the first study about the effectiveness of this substance in patients with progressive cerebellar diseases, a so called degenerative cerebellar ataxia had been published.

The drug mitigated the symptoms of the cerebellar ataxia. Rated through the clinical neurological scales it led to an improvement of the quality of life:

Walking and speech disorders improved and uncoordinated movements were mitigated.

Dr. Tatiana Bremova herself was part of the committee during a study with patients with niemann pick type c.

The study was designed like this:

 

 

The results of the study were the following:

Objective:

  1. Improvement of the fine motor skills, the trembling and the coordination of the hands
  2. Stabilization in walking and standing with a lower risk of falling

For measurement the Scale for the Assessment and Rating of Ataxia (SARA) and the Spinocerebellar Ataxia Functional Index (SCAFI) had been used.

 

subjective: Improvement of

  1. Quality of life, judged by the parents
  2. Fixation of the eyes („eyes are calmer now“)
  3. Independece in daily processes- taking cloths on, washing, eating
  4. Interaction with the carer
  • Noted side effects were dizziness in one case, that didn´t last long. Otherwise there were no side effects. Due to this we have a very good ratio of risks and benefits. 

     

 Tanganil in patients with tay-sachs and sandhoff

It has been nearly one year now that the GM1- and GM2-Gangliosidosis had been included in the compassionate use.

Two LOTS and two juvenile sandhoff are treated in Munich. We can also see the     first  improvements here (ataxia, speech, walking,etc).

In addition there is also a study with sandhoff mice by Prof. Frances Platt (Univ. Oxford) under the participation of Prof. Michael Strupp (LMU München). This study showed a delay of the symptoms under the therapy with Acetyl-DL-Leucin. A clearly reduced ataxia is also visible in the mouse model. Results, how the Acetyl-DL-Leucin exactly works in the cells, are expected for the middle of 2018.

Another official patient study is planned for 2018, in which also patients with tay-sachs and sandhoff will be included. The minimum age of the patients in that study will be 6.

 

  • This is the design of the study so far:

Patients, that are willing to try Tanganil before the study starts, can do this after the consultation with their neurologists. The neurologist should get in touch with the LMU Munich (Prof. Strupp, Dr. Bremova oder Marlene Moser).

Michael.Strupp@med.uni-muenchen.de

Tatiana.Bremova@med.uni-muenchen.de

Marlene.Moser@med.uni-muenchen.de

On demand Dr. Tatiana Bremova confirmed that Tanganil can also be tried for infantile cases. It might delay the appearance of some symptoms or could alleviate existing symptoms.

When someone is interested, they should also get in touch with the LMU Munich. It doesn´t matter if the patient is living in Germany or elsewhere, the only important thing is that a neurologist accomanies the tests. Hand in Hand gegen Tay-Sachs und Sandhoff in Deutschland e.V. constructively accompanied the tests with Acety-DL-Leucin right from the start and has a close exchange with the researchers. We are happy to share further information if needed.

Folker Quack and Birgit Hardt

Dr. Tatiana Bremova-Ertl  in Würzburg

 

 

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Spannende Studie der LMU München zur Behandlung von Ataxie bei lysosomalen Speicherkrankheiten

Tay-Sachs und Sandhoff sind derzeit bei dieser Studie nicht vorgesehen. Aber es gibt individuelle Heilversuche mit aktuell drei GM-2-Patienten. Weitere können aufgenommen werden. Derzeit wird die Wirkweise  nur bei juvenilen und adulten Krankheits-Verläufen getestet. Wir weden in Kürze über die Behandlungserfolge bei den drei deutschen GM-2-Patienten berichten können. Weitere Tests mit GM-2-Patienten sind geplant.

Ein erster Bericht zu den Studien hier als PDF

ALCAT Studie

Effects of Acetyl-DL-leucine on cerebellar ataxia – a multinational, multicenter, randomized, double-blind, placebocontrolled,
2-way crossover phase III trial
Wirksamkeit von Acetyl-DL-Leucin bei Patienten mit cerebellärer Ataxie –eine multinationale, multizentrische,
randomisierte, doppelblinde, placebo-kontrollierte, Phase III Studie im crossover Design

Hintergrund und Ziel der Studie
Im Rahmen dieser klinischen Prüfung soll bei Patienten mit einer cerebellären Ataxie die Wirksamkeit der modifizierten essentiellen Aminosäure Acetyl-DL-Leucin (Tanganil®) placebo-kontrolliert untersucht werden. Nur so kann eine Effektivität und Überlegenheit dieses Medikaments bewiesen werden. Bislang gibt es keine nachgewiesene wirksame symptomatische Medikation bei cerebellären Ataxien. Durch die placebo-kontrollierte Studie erhoffen wir uns daher die Etablierung einer optimalen Therapie für Ihre Erkrankung, effektiv und nebenwirkungsarm.
Das von uns untersuchte Medikament (Tanganil®) dient ausschließlich einer symptomatischen Therapie und behandelt nicht die Ursache Ihrer Erkrankung. Im Rahmen der Studie werden sowohl Ihre körperlichen motorischen Einschränkungen durch die cerebelläre Erkrankung, d.h. der beeinträchtigende Einfluss der gestörten Kleinhirnfunktion, als auch Ihre Lebensqualität unter der Therapie untersucht.
Durchführung der Studie
In dieser Studie werden Sie in einer zufälligen Reihenfolge jeweils 6 Wochen Tanganil(®) und ein Placebo erhalten. Die Studie dauert für Sie inklusive Nachbeobachtung 20 Wochen. Bei Teilnahme müssen Sie mindestens 18 Jahre alt sein und an insgesamt 8 Terminen in eines der folgend genannten Studienzentren kommen.
Studienzentren (Stand Januar 2016)
Klinikum der Universität München
DZNE e.V., ZKF, Bonn
Klinik für Neurologie, Essen
Neurologische Universitätsklinik Tübingen
Universitätsklinik für Neurologie, Innsbruck
Durch Ihre Teilnahme an dieser klinischen Prüfung entstehen für Sie Fahrtkosten für die Benutzung von öffentlichen
Verkehrsmitteln oder eines PKW. Diese Kosten werden Ihnen von uns erstattet. Sofern Sie einen längeren Anreiseweg
haben, werden ggf. anfallende Übernachtungskosten einschließlich die Übernachtungskosten einer Begleitperson von
uns übernommen.
Kontakt:
Leiter der klinischen Prüfung:
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Michael Strupp, FANA, FEAN
Tel.: +49 (0)89 4400 73678
Fax: +49 (0)89 4400 76673
michael.strupp@med.uni-muenchen.de
Medizinische Informationen und Rückfragen:
Dr. med. Katharina Feil
Tel.: +49 (0)89 4400 76987
Fax: +49 (0)89 4400 78795
katharina.feil@med.uni-muenchen.de
Studienzentren: Deutsches Gleichgewichtszentrum (DSGZ)
Klinikum der Universität München, Campus Großhadern
Tel.: +49 (0)89 4400 76977
julia.rohringer@med.uni-muenchen.de
Deutsches Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) e.V.
Zentrum für Klinische Forschung (ZKF), Bonn
Dr. med. Heike Jacobi
Tel.: +49 (0)228 43302 842
heike.jacobi@dzne.de
ALCAT_EudraCT: 2015-000460-34_Studieninformation_Website_V1.0
Klinik für Neurologie, Essen
Prof. Dr. Dagmar Timmann-Braun
Tel.: +49 (0)201 723 2180
dagmar.timmann-braun@uni-duisburg-essen.de
Neurologische Universitätsklinik Tübingen
Prof. Dr. med. Ludger Schöls
Tel.: +49 (0)7071 29 82057
ludger.schoels@uni-tuebingen.de
Friedrich-Baur-Institut
Klinikum der Universität München, Campus Innenstadt
Prof. Dr. med. Thomas Klopstock
Tel.: +49 (0)89 4400 57421
thomas.klopstock@med.uni-muenchen.de
Universitätsklinik für Neurologie, Innsbruck
Priv. Doz. Dr. med. Sylvia Boesch
Tel.: +43 (0)512 504 81815

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