
Dr. Maximilian Frosch bei unserer Familienkonferenz in Würzburg.
Zwei Aufsätze in dem Wissenschaftsmagazin „Nature“ beschäftigen uns, unsere Ärzte und Forscher. So haben Freiburger Neuropathologen mithilfe von Sandhoff-Mäusen herausgefunden, dass Mikroliazellen, die Immunzellen im Gehirn die Nervenzellen bei der Entsorgung von Stoffwechselprodukten unterstützen.
Diese Ergebnisse können Grundlage für die Entwicklung einer Therapie sein. Auch für andere neurologische Erkrankungen kann diese Erkenntnis von Bedeutung sein. Die Studie wurde am 06. August 2025 im Fachjournal Nature veröffentlicht. Nahezu gleichzeitig veröffentlichte Dr. Marius Mader, Arzt am Forschungsinstitut des Kinderkrebs-Zentrum Hamburg, eine mögliche Methode Mikrogliazellen besonders schonend auszutauschen. Auch wenn sein Forschungsschwerpunkt die Kinderonkologie ist, forscht er ebenfalls mithilfe von Sandhoff-Mäusen.
Wichtig ist es nun diese Forschungsansätze weiterzuführen, damit geprüft wird, ob in Zukunft daraus eine Therapie für Patienten entstehen kann. Erste gemeinsame Gespräche mit unserer Gruppe haben dazu bereits stattgefunden.
„Unsere Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie wichtig das Zusammenspiel von Immun- und Nervenzellen für die Hirngesundheit ist – das eröffnet neue Therapieperspektiven, nicht nur für die Sandhoff-Krankheit, sondern auch für andere neurodegenerative Erkrankungen“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Marco Prinz in einer Pressemitteilung der Univeritätsklinikum Freiburg. Prinz ist dort Ärztlicher Direktor des Instituts für Neuropathologie und Mitglied des Exzellenzcluster Centre for Integrative Biological Signalling Studies (CIBSS). „Für die Sandhoff-Krankheit ist das ein wichtiger Schritt hin zu einer spezifischen Therapie,“ so Prinz
Nervenzellen können nur mit Unterstützung Fettstoffe abbauen
Das Forschungsteam hat nun herausgefunden, dass sogenannte Mikrogliazellen – die Immunzellen des Gehirns – im gesunden Zustand ein Enzym namens β-Hexosaminidase ausschütten. Dieses Enzym gelangt zu benachbarten Nervenzellen und hilft dort beim Abbau von GM2. Fehlt dieses Enzym, wie bei der Sandhoff-Krankheit, stauen sich GM2-Fettmoleküle in den Nervenzellen an. Das wiederum aktiviert die Mikrogliazellen auf ungewöhnliche Weise: Sie erkennen das GM2 über einen speziellen Rezeptor und beginnen, entzündungsfördernde Botenstoffe freizusetzen. Die Folge: eine zerstörerische Immunreaktion im Gehirn.
Neues Verständnis – neue Therapieansätze
Weiter heißt es in der Pressemitteilung der Universität Freiburg, dass die Forschenden zeigen konnten, wenn Mikrogliazellen im Mausmodell gezielt durch gesunde Immunzellen aus dem Blut ersetzt würden, ließe sich der Krankheitsverlauf stoppen. „Unsere Studie zeigt, dass Mikrogliazellen nicht nur Wächter des Gehirns sind, sondern aktiv zur Gesundheit von Nervenzellen beitragen – indem sie ihnen bei der Entsorgung von Stoffwechselabfällen helfen“, erklärt Erstautor Dr. Maximilian Frosch, Arzt am Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Freiburg. „Dieser Mechanismus könnte auch bei Alzheimer, Multipler Sklerose und anderen neurologischen Erkrankungen eine Rolle spielen.“
„Langfristig könnten genetisch veränderte Immunzellen oder spezifische Wirkstoffe, die in diesen neu entdeckten Signalweg eingreifen, neue Behandlungsoptionen für zahlreiche neurologische Erkrankungen bieten“, sagt Prinz in der Pressemitteilung.
Mikrogliazellen schonend ersetzen
Unterdessen hat Dr. Marius Mader, Arzt und Arbeitsgruppenleiter am Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg, in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an der Stanford University einen schonenden Weg gefunden, die Mikrogliazellen gezielt zu ersetzen. Auch er arbeitete mit Sandhoff-Mäusen.
Bisherige Methoden, um über eine Stammzelltransplantation fremde Spenderzellen ins Gehirn zu bringen, würden erhebliche Risiken beinhalten, heißt es in einer Pressemitteilung des Forschungsinstituts Kinderkrebszentrum Hamburg. Die Ergebnisse seiner Forschung an Sandhoff-Mäusen zeigten nun, dass es auch anders geht: Bestimmte Blut-Vorläuferzellen lassen sich direkt ins Gehirn einbringen, wo sie Mikroglia effizient ersetzen – ohne das Knochenmark des Empfängers oder der Empfängerin zu beeinträchtigen.
„Besonders relevant ist dieser Ansatz für genetische Erkrankungen, bei denen defekte Mikroglia eine entscheidende Rolle spielen, wie etwa bei lysosomalen Speicherkrankheiten im Kindesalter“, erklärt Mader. Damit eröffne sich langfristig auch für die Kinderonkologie eine neue Perspektive.
Die Originaltitel der Freiburger Studie: Microglia–neuron crosstalk via Hex–GM2–MGL2 maintains brain homeostasis
Hier der Link zur Freiburger Studie
[…] veröffentlichten Studie zeigte Dr. Maximilian Frosch mit seinen Kolleginnen und Kollegen, wie Mikroglia Nervenzellen beim Abbau von GM2-Gangliosidosen unterstützen und welche Therapieansätze sich daraus ergeben […]